14.3 LONDON

Es sollte ein schickes, neues Bürogebäude in Londons Bankenviertel werden mit Aussichtsplattform, um über die ganze Stadt zu blicken. Doch nun ist man gezwungen die Umgebung der 20 Fenchurch Street eher zu meiden, denn das sich noch im Bau befindliche Hochhaus „Walkie Talkie“ reflektiert das Sonnenlicht so stark, dass es auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu Hitzeschäden kommt. Schuld ist die konkave Form des 160 m hohen Neubaus, die die Sonnenstrahlen wie Brennglas bündelt und auf der Straße Fliesen platzen lässt, Fußmatten und Sitzkissen in Brand steckt und selbst Autoteile zum schmelzen bringt, so auch das Armaturenbrett und den Außenspiegel eines Jaguars eines Londoner Unternehmers. Einige Journalisten machten sich einen Jux daraus und brutzelten Spiegeleier auf offener Straße.
Der uruguayische Architekt Rafael Viñoly gibt dem Klimawandel die Schuld, denn als er vor Jahren nach London kam, sei es dort nicht so sonnig gewesen. Außerdem beklagt er, er habe nicht die richtige Technik zu Verfügung gehabt, um die Hitzeentwicklung durch die Glasflächen des Gebäudes zu berechnen. Allerdings ist der Walkie Talkie Tower nicht das einzige Gebäude aus seiner Feder mit einem spöttisch genannten, Todesstrahl. Denn bei seinem 2003 realisiertem Vdara-Hotel in Las Vegas trat das gleiche Phänomen auf, dort wurde der Pool brütend heiß und Liegestühle schmolzen.
Um die Zeit zu überbrücken, in der die Sonne noch so hoch steht und die Gefahr des Strahles besteht, errichteten die Bauherren Gerüste mit schwarzen Netzen, um die Passanten und Geschäfte zu schützen. Die Parkplätze davor wurden auch schon gesperrt. Wie man das Problem aber dauerhaft angeht, ist bislang noch nicht bekannt.