9.2 Astronomie

‚ÄěDas Weltall: Du lebst darin ‚Äď entdecke es!‚Äú

Bei klarem Himmel können wir ungefähr 6000 Sterne mit den Augen, ohne Hilfe eines Teleskops, erkennen. Unendlich viele mehr sind es.
Bis zur Erfindung von Ger√§ten zur Positionsbestimmung waren die Sterne und Planeten die einzige Orientierungsm√∂glichkeit bei Nacht. Gleichzeitig war der Blick zum Himmel immer auch mit den √Ąngsten, Hoffnungen und Sehns√ľchten der Menschen verkn√ľpft. Kosmische Ereignisse wurden als Zeichen, Warnungen und Botschaften der G√∂tter verstanden. Das Auftauchen eines Sterns k√ľndigte zum Beispiel auch die Geburt eines Kindes an, das sp√§ter zum Begr√ľnder einer Weltreligion werden sollte. Das Wort von der Sternstunde der Menschheit wird gerne f√ľr die gro√üen Fortschritte oder au√üergew√∂hnlichen Ereignisse in der Menschheitsgeschichte herangezogen, Stefan Zweig hat es zu seiner gro√üartigen Novellensammlung (‚ÄöSternstunden der Menschheit‚Äô) inspiriert. Und Per aspera ad astra ‚Äď √ľber Raues zu den Sternen ‚Äď hie√ü es schon in der Antike und meint damit die Anstrengungen und den Einsatz, den es erfordert bis man zum Ziel gelangt. √úber viel Forschungsarbeit und technische Entwicklung war es dann im Juli 1969 Wirklichkeit geworden auch ins All zu reisen und erste Schritte auf dem Mond zu unternehmen – ein kleiner Schritt f√ľr einen Astronauten, ein gro√üer Schritt f√ľr die Menschheit!
Bis dahin war es ein weiter Weg.

Der Weltraum Рunendliche Weiten… Wir schreiben das Jahr 1609:
Mit der brandaktuellen Erfindung aus den Niederlanden, dem Teleskop, macht der italienische Mathematiker und Astronom Galileo Galilei die Entdeckung vom Lauf der Planeten. Nicht die Erde ist Zentrum des Alls, vielmehr dreht sie sich als einer von weiteren Planeten um die Sonne! Damit stellt er die allgemein g√ľltige Vorstellung vom geozentrischen Weltbild endg√ľltig auf den Kopf.

Im selben Jahr 1609 publizierte der vielseitige Johannes Kepler seine ‚ÄöAstronomia nova‚Äô, eines der bedeutendsten B√ľcher √ľber das Sonnensystem, und st√ľtzt damit Galileis √úberzeugung.

So neu was dies alles jedoch nicht. Bereits 1543 hatte Nikolaus Kopernikus sein Werk
‚De Revolutionibus Orbium Coelestium’ (‚Von den Umdrehungen der Himmelskörper’)
ver√∂ffentlicht. Schon darin beschrieb er die Erde als einen von weiteren Planeten und stellte die Sonne in den Mittelpunkt: Das neuzeitliche heliozentrische Weltbild war geboren. Kopernikus hingegen bezog sich wiederum auf antike ‚ÄěForscher‚Äú wie zum Beispiel den Astronomen und Mathematiker Aristarchos von Samos, der sich jedoch mit seinem Bild von den um die Sonne kreisenden Planeten nicht hatte durchsetzten k√∂nnen – ebenso wie Kopernikus. Mit dem eigenen Nachbau und der Weiterentwicklung des Teleskops konnte Galilei nun die eigenen Beobachtungen und die seines Kollegen Kepler st√ľtzen, hieb- und stichfest beweisen jedoch nicht. In den folgenden Jahren machte Galilei noch weitere wichtige astronomische und physikalische Entdeckungen, f√ľr die er hoch geehrt wurde.
Verantworten musste sich der Italiener dennoch 1616 vor dem kirchlichen Inquisitionsgericht und zustimmen, dass das Welt- und Himmelsbild von Kopernikus, und damit auch sein eigenes, lediglich eine Hypothese sei und keine unumstößliche Tatsache.
In den folgenden Jahrhunderten erweiterten und vervollständigten viele Forscher unser Wissen von den Planeten, den Sternen und dem All.

Das 400-j√§hrige Jubil√§um des so bedeutenden Jahres 1609 hat die ‚ÄöInternational Astronomical Union‚Äô (IAU) und die UNESCO zum Anlass genommen, um an die Fortschritte und an die Bedeutung der Astronomie f√ľr die Menschheitsgeschichte zu erinnern.
Unter dem Motto ‚ÄěDas Weltall: Du lebst darin ‚Äď entdecke es!‚Äú haben die beiden Institutionen in √úbereinstimmung das Jahr 2009 zum ‚ÄöInternational Year of Astronomy‚Äô erkl√§rt.
Die spannende Geschichte der Astronomie, aber auch die heutige Bedeutung und die aktuelle Forschung soll mit zahlreichen Veranstaltungen einem gr√∂√üeren Publikum vermittelt werden. Dazu gibt es ein umfangreiches √ľberregionales und regionales Veranstaltungsprogramm:
Ein Highlight ist dabei eine Ausstellung im Gasometer Oberhausen. Das beeindruckende Industriedenkmal, erbaut Ende der 20er-Jahre, stillgelegt 1988 und einst Europas gr√∂√üter Scheibengasbeh√§lter, ist seit seiner Umgestaltung 1993/94 Veranstaltungsort f√ľr Ausstellungen, Konzerte und Theater.
Vom 3. April an wird dort bis zum 31. M√§rz 2010 die Schau ‚ÄöSternstunden – Wunder des Sonnensystems‚Äô zu sehen sein. Nachbildungen des Planetensystems, im ca. 100 Meter hohen Innenraum, eine riesige Nachbildung des Mondes, bei dem alle Phasen demonstriert werden, faszinierende Aufnahmen aus dem All und zahlreiche astronomische Ger√§te von den Anf√§ngen bis heute werden f√ľr einzigartige Eindr√ľcke sorgen.
Ein zweiter H√∂hepunkt in Deutschland ist das zentrale Kulturfest auf dem M√ľnsterplatz in Bonn am 27. Juni, von 14 bis 23 Uhr. Sonnenbeobachtung am Tag und Beobachtung von Mond und Saturn bei Dunkelheit und ein vielseitiges B√ľhnenprogramm mit Talk, Kabarett und klassischer Musik steht auf dem Programm. Weiterhin pr√§sentieren sich viele Institutionen mit ihren Projekten und stehen dem Publikum zur Information zur Verf√ľgung.
Vielleicht erhellt eine der zahlreichen Ausstellung und Veranstaltung ja unsere Vorstellung von Welt und All und das ein oder andere Erlebnis wird zu einer ganz persönlichen Sternstunde.
Stefan Schipper
www.astronomy2009.de

www.gasometer.de

Buch-Tipps:
Stephan Cartier, Weltenbilder ‚Äď Eine Kulturgeschichte des Himmels, Reclam Leipzig
Martin Carrier, Nikolaus Kopernikus, Verlag C.H. Beck
Bertolt Brecht, Leben des Galilei, Suhrkamp Verlag
Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit, Fischer Verlag
Musik-Tipp:
Gustav Holst, The Planets, Wiener Philharmoniker, H. von Karajan, DECCA