12.2 Freunde

Mit sehr viel Skepsis bin ich in die Kinovorstellung gegangen. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt zwar nur gutes geh√∂rt und in Frankreich avancierte ‚ÄěZiemlich beste Freunde‚Äú zum √ľberraschungserfolg. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob mit diesem schwierigen Thema angemessen umgegangen wird.
Der arbeitslose und frisch aus dem Gef√§ngnis entlassene Driss bewirbt sich pro forma als Pfleger beim querschnittsgel√§hmten reichen Erbe Philippe. Der junge Farbige hat keine Hoffnung und vor allen Dingen √ľberhaupt kein Interesse daran die Stelle zu √ľbernehmen. Er ist lediglich an einer Unterschrift interessiert, welche ihm best√§tigt, dass er zumindest versucht hat einen Job zu bekommen. Somit w√§re ihm die weitere soziale Unterst√ľtzung garantiert. Gegen jede Vernunft engagiert ihn der reiche Aristokrat, weil er sp√ľrt, dass dieser farbige Junge aus der Banlieue kein Blatt vor den Mund nimmt. Driss findet sich auf einmal in einer Welt voller Annehmlichkeiten wieder, untergebracht in einem Zimmer der Villa in Paris. Muss sich aber auch zum ersten mal um einen anderen Menschen k√ľmmern und zwar 24 Stunden am Tag. Trotz ihrer grundlegenden Verschiedenheit entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen den beiden. Driss lernt von Philippe Verantwortung zu √ľbernehmen und hilft dem zur√ľckgezogen lebenden √§lteren wiederum sein Einsiedlerdasein abzulegen. Philippe wird von seinem neuen Pfleger nicht in Mitleid gebadet, um ihn noch tiefer in sein Loch zu ziehen, stattdessen ermutigt er ihn wieder aktiv am Leben teil zu nehmen. Seine Einschr√§nkung hinzunehmen und das beste daraus zu machen.
Besonders ausgezeichnet wird der Film durch die Leistung der Schauspieler. Jungstar Omar Sy √ľberzeugt ebenso wie sein erfahrener Kollege Fran√ßois Cluzet. Letzterer ist dazu gezwungen seinen vielschichtigen Charakter nur √ľber seine Mimik und seine Stimme darzustellen, und meistert diese Aufgabe mit Bravour. Sein j√ľngerer Partner wirft seine Unbek√ľmmertheit und Frische in die Waagschale. Zusammen ergibt das eine interessante Dynamik im Spiel.
Meine Bedenken wurden letztendlich nicht best√§tigt. Das unertr√§glich kitschige M√§rchen blieb aus. Gott sei Dank. Wie Driss den richtigen Umgang mit Philppe verstand, gilt das gleiche auch f√ľr den gesamten Film im Bezug auf das Thema der Behinderung. Stets wird ehrlich und unverbl√ľmt erz√§hlt. Immer wieder werden die Lachmuskeln stimuliert ohne den Ernst aus dem Auge zu verlieren. Das Regieduo Olivier Nakache und Eric Toledano besch√∂nigen nichts. Die Geschichte der ungleichen Freunde ist durchweg einf√ľhlsam und glaubw√ľrdig.
Abschlie√üend l√§sst sich sagen, dass es sich bei ‚ÄěZiemlich beste Feunde‚Äú um einen der besten Filme des Jahres handelt, den man gesehen habe sollte. Ein ber√ľhrender Film √ľber Freundschaft und Hoffnung, in dem ein schwieriges Thema mit angemessenem Ernst und dennoch mit jeder Menge Leichtigkeit angegangen wird. Hollywood hat √ľbrigens die Finger nach dem Plot schon ausgestreckt. Die Produktionsfrma Weinstein ist interessiert an einem Remake des franz√∂sischen Films, der wiederum auf einer wahren Begebenheit basiert. Wollen wir hoffen, dass es nicht so weit kommt. Besser kann es nicht werden.