12.4 K. Malewitsch

Kasimir Malewitsch gilt als einer der richtungweisenden Begr√ľnder der ungegenst√§ndlichen Kunst des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1915 und 1932 entwickelte er eine Form abstrakter Malerei, die als Suprematismus bezeichnet wird. Mit dem ‚Äěschwarzen Quadrat‚Äú schuf er eine geometrische ‚ÄěNullform‚Äú, die zusammen mit dem Kreis und dem Kreuz die Grundelemente der suprematischen Kunst bilden: reine , allgemein verst√§ndliche Formen, die unabh√§ngig von der kulturellen oder ethischen Zugeh√∂rigkeit des Betrachters existieren.

Wie seine Zeitgenossen Piet Mondrian und Wassily Kandinsky entwarf auch Malewitsch eine k√ľnstlerische Utopie, die das s√§kulare Gegenst√ľck zur religi√∂sen Malerei wurde – und in seinem Fall darauf abzielte, die in Russland allgegenw√§rtige Ikone zu ersetzen -, indem er Werke schuf, die den Betrachter in einen h√∂heren Bewusstseinszustand versetzen sollten.

Malewitschs k√ľnstlerische Definition des Suprematismus, bei der er vor allem das Medium der Zeichnung nutzte, entwickelte sich schnell weiter. Ende 1915 ging er von einer √Ąsthetik der statischen Komposition zu einem immer dynamischeren Ansatz √ľber, um sowohl visuell verschiedene Emotionen, als auch eine mehrfache Dimensionalit√§t zum Ausdruck zu bringen.
Bis 1917 kehrte Malewitsch jedoch zu seinem einfachen Vokabular zur√ľck, das auf weniger konkreten Formen basierte. Es entstanden vor allem √§therisch wirkende Werke, die sich in einem imagin√§ren Raum aufzul√∂sen scheinen.

Andere Arbeiten dienten der ausf√ľhrlichen Darstellung subtiler Transformationen, wie etwa Suprematismus [Konstruktion in Aufl√∂sung] und sein Meisterwerk Wei√ües Quadrat auf wei√üem Grund, das in den sechziger und siebziger Jahren eine ganze Generation von zeitgen√∂ssischen K√ľnstlern in Europa und den USA inspirierte.

Der Suprematismus wurde von Malewitsch auch auf praktische, allt√§gliche Bereiche √ľbertragen. In seinen Gipsstudien, den sogenannten Architektonen, versuchte er, diesen Stil als Mittel zur Herbeif√ľhrung eines gesellschaftlichen Wandels durch die radikale architektonische Form einzusetzen. Seine Auseinandersetzung mit politischer Kunst zielte auf eine Unterst√ľtzung der neuen politischen Realit√§t, ohne jedoch der eigenen √Ąsthetik untreu zu werden.

Doch im wesentlichen blieb Malewitsch ein Maler, der sich ganz dem Spirituellen in der Kunst verschrieben hatte. Dieses Festhalten am Metaphysischen in Zeiten des totalit√§ren gesellschaftlichen Umbruchs, der sich auch immer st√§rker auf die Kunst auswirkte, f√ľhrte schlie√ülich zu Malewitschs Isolation von der vorherrschenden k√ľnstlerischen Avantgarde in Russland. Gegen Ende der zwanziger Jahre √ľbertrug Malewitsch als Konsequenz dieser Verh√§ltnisse den Suprematismus auf eine Auseinandersetzung mit der Figur, bis er diesen Stil 1932 zugunsten einer von der Renaissance gepr√§gten Portraitkunst ganz aufgab.