14.4 Schnee

Jeder kennt sie- die Tage nach den besinnlichen Feiertagen, an denen Stress und Hektik wiederkehren und √ľberall Gedr√§nge in der Stadt herrscht. Geschenke in mehrfacher Ausf√ľhrung oder geschmacklich fragw√ľrdige m√ľssen umgetauscht und Gutscheine umgehend eingel√∂st werden. Die hierbei scheinbar niemals zu stillende Kauflust der Bev√∂lkerung scheint sich besonders in dieser Zeit ins Unertr√§gliche zu komprimieren und all die gutenVors√§tze der N√§chstenliebe und gegenseitigen R√ľcksichtnahme erweisen sich schnell nicht √ľberlebensf√§hig.

Und während die Welt noch im Gedränge und Stress versinkt, fallen tanzend die ersten Schneeflocken. Ganz leise und nahezu noch unbemerkt. Doch je mehr Schnee fällt, umso ruhiger und stiller wird es. Der Verkehr drosselt das hektische Treiben aufgrund der Wetterlage und auch die Menschen machen sich auf den Weg in die warmen Wohnungen.
Genau diesen Zeitpunkt sollte man nutzen, seine Umgebung einmal auf ganz andere Weise zu erkunden. Nur das Knirschen der Schritte im Schnee und der eigene Atmen scheint diese ungewöhnliche Stille zu unterbrechen. Stille Рeinen Moment lang innehalten.

Doch wie kann es sein, dass so kleine Eiskristalle eine solch große akustische Veränderung unserer Umgebung ermöglichen? Physikalisch hat dies etwas mit der Ausbreitung der Schallwellen zu tun. Auch der Schneefall veränder t die Akustik der Umgebung insofern, dass die Schallwellen beginnen sich anders auszubreiten.Vergleichbar wäre dies mit einem Bodenbelag in einem Raum. Betritt man einen gefliesten Raum, ist die Akustik klar und deutlich bis hin zum leichten Schall. Die Schallwellen prallen auf eine glatte Oberfläche und werden reflektiert.Betritt man nun einen Raum mitTeppich so scheint der Schall gedämpft und leiser, da dieser Bodenbelag den Schall nicht so gut reflektieren kann, ja ihn nahezu “verschluckt“. Doch nun zur Schneedecke: Neuschnee besteht bis zu 90 Prozent aus Luft, die sich in jenen Hohlräumen befindet, die durch das ungeordnete Aufeinanderlegen der Eiskristalle entstehen. Also ähnlich wie beim Teppich wird der Schall, der sonst auf den harten Asphalt trifft nun vom Schnee absorbiert und kann nicht reflektiert werden. Die Geräusche werden also bei Schnee um ein Vielfaches gedämpft, hierbei vor allem die lauten Töne.

Wenn der Par tner während der Weihnachtseinkäufe also mal wieder nicht hört, nicht aufregen Рdas liegt bestimmt nur am Schnee.